Ein „leichter“ Tag

Oder: wie sieht so ein Tag im Leben des „Light Bikepackers“ aus?

Nachdem wir in den vorigen Artikeln über Light Bikepacking als solches gesprochen haben, geht es heute einmal prototypisch auf Tour.

Wir fahren quasi gedanklich durch die Berge, übernachten unterm Tarp und fahren dann weiter. Dazu habe ich Touren und Jahreszeiten bunt gemixt, also nicht wundern.

On Tour

Beginnen wir im Winter. Raus aus dem Zug – rauf auf den Trail!

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Unterwegs mit kompletter Bikepacking Ausrüstung

Hier ist so einigermaßen meine komplette typische Bikepacking-Ausrüstung zu sehen: Rucksack, Hüfttasche, Satteltasche und etwas versteckt das GPS am Lenker. In den Beintaschen der Hose finden sich Kamera, Stativ und Taschentücher.
In der Hüfttasche sind vor allem die wichtigsten persönlichen Gegenstände (Geld, Handy, Messer, Taschentuchpackung, Schlüssel, Notziblock und Stift), die Sattelstasche beinhaltet Reparaturzeug, Schlauch und Licht; alles andere kommt in den Rucksack.

Bei den Klamotten ist die Windjacke Standard, darunter kommen je nach Temperatur diverse Schichten Kleidung. Die Regenjacke wird nur bei Regen angezogen, so auch die Regenhose. Die Bikehose muss bei mir immer stabil sein und viele Taschen haben – da bin ich gar nicht Light!

Nach erfolgter Bergerklimmung ist ein Päuschen genehm:

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Um nicht auszukühlen, hole ich die Prinmaloftjacke aus dem Rucksack und ziehe sie über alles andere einfach drüber. So fahre ich auch nicht unterkühlt den Downhill herunter!

Neben Fahren, Knipsen und Orientierung kommt der Genuß auch nicht zu kurz:

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Die Aprikosen wachsen in Teilen des Böhmischen Beckens in fast jedem zweiten Vorgarten, für solchen Mundraub ist auch das Netzfach ideal. Ansonsten kommen da fallweise das nasse Handtuch oder ein feuchtes Groundsheet (Zeltunterlage) hinein.

Unterwegs gibt es tagsüber keinen Alkohol, wohl aber ausreichend Wasser aus dem Trinksystem:

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Spezielle Onlineläden verkaufen hier ein recht preiswerte Wasserbeutel in Form von vermutlich industriellen Flüssigkeitsverpackungen, wo ich zwei davon mit je 2,5 l Volumen mithabe. Eine Wasserblase hängt am Trinkschlauch vom kompatiblen Platypus-System, die andere ist klein zusammengerollt im Rucksack.
Beim klassischen UL Trekking werden oft zwei PET Flaschen in Seitentaschen gesteckt oder speziellen Holstern an den Schultergurten getragen, einige Bikepacker haben auch spezielle Flaschenriemen, so dass diese rechts und links am Vorbau hängen.
Bei härterer Gangart ist dies alles für mich keine Option, bis knapp 0°C verwende ich die Trinkblase.

Ist ein Wildcamp angesagt, beginnt einige Zeit vor dem angestrebten Zielgebiet die Suche nach Wasser. Jetzt kommt Wasserblase #2 in Spiel und wird an der Quelle prall gefüllt in den Rucksack gestopft. So habe ich genügend Wasser für eine autonome Nacht abseits der Campingplätze.
Mein Wasserbedarf beträgt mindestens abends 1 l (je ein halber zum Essen zubereiten und für einen Roiboostee) und früh 0,5 für Kaffee und Brei; ein eventueller Rest wandert in Wasserbeutel #1 zum unterwegs Nuckeln.

Im Camp angekommen, wird erstmal die Ausrüstung gesichtet und das Tarp aufgebaut:

Auf Campingplätzen heißt es nun Duschen und dabei die Sachen vom Tage gleich mit durchspülen. Das spart ganz klar Gewicht – aber fast jeden Tag sieht das Camp dann so aus:

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Jetzt habe ich praktisch schon Schlafsachen an, je nach Jahreszeit eine dünne Unterwäschekombi, dazu noch eine Fleecehose, die oben schon erwähnte Primaloftjacke und alleine oder noch dazu eine Primaloftweste.

Die Primaloftsachen sind alle selber genäht und in Gewicht und Wärmeleistung mehr als nur ein Ersatz für schwere und sperrige Fleecepullover.

Im Winter wird das Waschen naturgemäß stark eingeschränkt, dank merinowollener Unterwäschen kann man sich aber dann doch wieder in die Zivilisation trauen.

Jezt knurrt aber der Magen. Hier kommt meine Outdoor-Kochshow:

Das Kochprinzip ist dem sogenannten „Freezerbag-Cooking“ entlehnt, wo auf langwieriges Köcheln verzichtet und stattdessen „Großmutters Kochkiste 2.0“ eingesetzt wird.
Einige haben Dörrapparate und machen alles selber, Leute mit Geld kaufen fertige Trekkingmahlzeiten und der Rest nimmt Ramen Noodles mit 😉
Auch hier habe ich im Vorfeld auf längeren Hausrunden alles probegekocht und ausprobiert. So gilt die Faustregel:

Doppelt so lange ziehen lassen wie die angegebene Kochezeit!

Dennoch habe ich einige Gerichte nicht gar bekommen, vor allem wenn diese in der Pfanne eingekocht werden sollen. Andere Sachen wurden wiederum matschig – hier gilt ganz besonders selber Recherchieren und Ausprobieren!

Nach einem Absacker-Bier in der Campingklause krabbel ich dann unter den Deckenschlafsack, lege mir die mit überzähligen Sachen vollgestopfte Schlafsackhülle unter den Kopf und lauschen dem Zirpen der Grillen.

Um den Preis einiger Mückstiche schätze ich unterm Tarp besonders die Naturnähe, die frische Luft und das höchst seltene Auftreten von Kondensnässe.

Der Morgen graut, der Magen knurrt – Zeit für ein kräftigendes und wärmendes Frühstück. Je nach Umständen gibt es das Frühstück vor dem Losfahren oder, in der kühlen Jahreszeit, erst später am Vormittag an einem lauschigen Plätzchen:

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So oder so, der Kocher wird angeworfen und als Basis dienen ein paar Eßlöffel Porridge mit Rosinen, in meinem Fall „Kakao-Bananen-Frühstücksbrei ohne Kochen“ aus dem Bioladen.  Das Restwasser wird nun mit zwei Kaffesticks veredelt und dazu kommt noch, was der Rucksack sonst so zu bieten hat:

Jetzt wird die so einigermaßen trockene Wäsche von der Wäscheleine genommen und angezogen, oder im Winter die Schlaf- gegen die Bikehose getauscht. Bei sehr kaltem Wetter bleiben zum Warmfahren die Primaloftsachen noch kurz an, dürfen aber keinesfalls naßgeschwitzt werden!

Unterwegs nutze ich gern das in Tschechien noch recht dichte Netz an kleinen Lebensmittelläden:

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Auf diese Weise fahre ich fast so schwere Trails wie auf Tagestouren, kann flexibel zwischen Zeltplätzen und freiem Wildcamping wechseln.
Das Grundprinzip ist immer das gleiche, wird aber situativ abgewandelt.

Im Sommer habe ich einmal vor einem Wildcamp auf einem Berg in einem kostenlosen Freibad mit Dusche und WC spätnachmittags alle Sachen gewaschen und wieder angezogen sowie Wasser aufgetankt. Natürlich waren die Sachen trotz der späten Stunde wieder etwas angeschwitzt, aber so konnte ich ganz oben übernachten.
Am nächsten Morgen ging es dann gleich in einen derben Downhill … mach das mal mit „Heavy Gear“ XD

Ausblick

Nach diesem Ritt durch die Materie will ich in weiteren Artikeln die einzelne Ausrüstung beschreiben – vor allem die Sachen, die ich selbst genäht und gebastelt habe.

Ahoj!
Euer Quittenbrot

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Ein Gedanke zu „Ein „leichter“ Tag

  1. Pingback: Mein UL-Kochsystem | quittenbrot

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