Mein UL-Kochsystem

Ein Ultralight-Kochsystem ist ein guter Einstieg sowohl in das Selbermachen der Ausrüstung als auch in den UL-Bereich selber.

Es gibt mittlerweile unzählige Anbieter von leichten Spirituskochern, Multifuel-Kochsystemen (Spiritus, Holz, Esbit) und auch verblüffend leichten und kleinen Kartuschenbrennern.

Aus folgenden Gründen koche ich jedoch seit fast 30 Jahren gerne mit Spiritus:

  • Brennstoff quasi ungiftig und gut erhältlich
  • Leise  – für mich ein „Killerfeature“, sowohl für das Wildcampen als auch für den Naturgenuß!
  • Simpel aufgebaut – es kann kaum etwas kaputtgehen
  • Brenner leicht aus Getränkedosen herzustellen

Die Nachteile seien nicht verschwiegen:

  • Brennleistung von Spirituskochern geringer als Benzin- oder Gaskocher
  • kaum bis gar nicht zu regulieren
  • Gefahr des Umkippens mit Brennstoffverlust (offenes System)
  • zum Teil Rußbildung
  • bei Kälte und Höhe stark nachlassende Kochleistung
  • bei Kälte schwer zu entzünden

Die Ressource zum Thema Kocher selber bauen schlechthin ist zenstoves.net, wo auch ich meine Anleitungen und Inspitrationen bezogen habe. Daneben gibt es vor allem bei youtube gefühlte Millionen Anleitungen „weltbester“ Brenner, das scheint so eine Art Wettbewerb zu sein.

Mein Ziel war ein ausreichend gutes, simples Kochsystem –  es gibt ohne Zweifel deutlich leichtere Setups, sicher auch effizientere oder effektivere. Da aber das Kocher basteln für mich eher Mittel zum Zweck ist und nicht mein Haupthobby, muss es an der Stelle nicht perfekt sein.

Mein System im Überblick

Nach diversen Recherchen und Praxistests bin ich bei einem Mini Zen Chimney/Sideburner Stove gelandet, wie man ihn bei zenstoves findet (1. sowie 4. bis 6. Bild auf dieser Seite).

Als Topfhalter und Windschutz in einem habe ich mich stark von Jim Woods „Fire Bucket“ inspirieren lassen.

Als Topftasse nutze ich den Snow Peak Single Cup 600 aus Titan mit real 500 ml Fassungsvermögen, ergänzt durch einem selbstgemachten Deckel aus Getränkedosenblech. Zum Warmhalten des Getränks dient ein sogenannter „Cosy“ aus dünnem Isoliermaterial eines Windschutzscheibenschutzes, der sich leicht selber herstellen lässt.

P1070381

Lecker Tee im Schein der UL-Stirnlampe (Topftasse mit Cosy)

Zum Schutz des Untergrundes dient eine Unterlage in Form einer runden Aluscheibe aus einem Asiettenessen-Deckel.

Für den Spiritustransport dienen diverse Behälter, so dass die Menge individuell angepasst werden kann.

P1060352

Wasser, Spiritus, isolierte Gefrierdose, Kocher mit Windschutz

Im Bild ist alles beieinander: 0,25 l Spiritus, die isolierte Dose zum Garen des Essens und ganz rechts das eigentliche Kochsystem mitsamt der Titantopftasse.

Wie baut man sich nun so ein Kochsystem?

Ein Spiritusbrenner für 25 Cent

Für den eigentlichen Brenner nutze ich ein recht simples System, den Mini Zen Chimney Stove, also ein Brenner nach dem Kaminprinzip.
Hier ist mein zweites Exemplar:

openburner-2

Mini Zen Chimney Stove aus einer einzigen Getränkedose

Das praktisch baugleiche erste Exemplar nutze ich derzeit im realen Einsatz:

P1060431

Der Brenner im Windschutz

Als Ausgangsmaterial dienen eine oder zwei 0,355 ml Getränkedosen aus Alu, etwa Energy Drink Dosen oder, in meinem Fall, eine Red Bull Cola Dose.
Entweder Du öffnest die Dosen ganz normal und baust den Brenner aus zwei Bodensegmenten oder Du öffnest die Dose in der Mitte (über der Spüle!) und verwendest das Deckel- und Bodensegment.

Da auf den zenstove-Seiten ausführliche Bauanleitungen und Vorlagen zu finden sind, will ich mich hier dazu kürzer fassen. In dieser Skizze habe ich meine realen Maße angetragen:

chimney-stove-web

Skizze meines Brenners

„Boden“ ist das Bodensegment der Dose, „Deckel“ der ungeöffnete (!) obere Teil mit vorsichtig entferntem Pull-Off-Ring. Der Boden des Brenners ist hier aus einem Deckelteil der Dose gefertigt, nicht irre machen lassen XD

Für das Heraustrennen der zwei Segmente habe ich eine ganz einfache preiswerte Edelstahlschere verwendet; die Kanten solltest Du gleich danach mit Stahlwolle oder feinem Schleifleinen entgraten.

Im Umfang sind 8 Löcher verteilt, die mit einer passenden Lochzange eingebracht werden. Der bei zenstove erwähnte „Paper Hole Punch“ hat bei mir nicht lange gelebt, da musste dann wieder die gute, alte Regur Ösenzange herhalten 😉

In das Bodenteil der Dose kommt ein 25 mm Loch, als Vorlage diente mir ein 2-€-Stück. Statt wie sonst empfohlen mit dem Cutter immer im Kreis einzuritzen, habe ich mit einem kräftigem Bastelmesser eine dichte Folge kleine Schnitte vorgenommen, und in Runde 2 die verbleibenden Stege durchtrennt. Anschließend kann man den gezackten Rand unschwer mit Schleifpapier und Schlüsselfeilen glätten.

Zur finalen Montage einfach das flache Teil umgedreht auf ein Brett legen, den Boden des Brenners darüber stülpen und mit Gefühl draufdrücken. Fertig 😎

Windschutz und Topfhalter für wenige Euro

Inspiriert durch Jim Woods Fire Bucket Stove System habe ich mir aus Alublech (Rohmaße 400 x 200 x 0,3 mm; Conrad) eine integrierten Windschutz mit Topfhalter gefertigt.

Die genauen Maße hängen absolut vom verwendeten Topf ab, hier finden sich Hinweise dazu. Letztlich habe ich eine Höhe gewählt, welche aus Transportgründen meinen Titantopf nur unwesentlich überragt. Der Durchmesser soll zwischen Topf und Windschutz einen knappen Zentimeter Luft ergeben. Skizze:

firebucket-skizze-masze_web

Maße für meinen Windschutz mit Topfständer

Jim Woods Konstruktion beinhaltet noch einen Zwischenboden, da sein Fire Bucket auch als Hobo Ofen genutzt werden soll; dann ist eine größere Höhe nötig.

Der Zuschnitt ist auch hier mit einer einfachen Schere möglich. Die Löcher können mit einer Ahle oder dem „Stech-Bohr-Näh“-Tool an Deinem Schweizer Messer gebohrt werden. Die gerollten Verbinder habe ich mit Übermaß zunächst 180° um den Titanhering gebogen, eingekürzt und fertiggebogen. Die Passung der drei Rollfalze sollte so genau wie möglich sein, um den Windschutz verwindungssteif zu gestalten.

Abstand der Löcher:

Dazu ist ein klein wenig Mathematik nötig. Bestimme zunächst den effektiven Durchmesser am Topfboden, bei mir sind es ca. 8 cm (Aufstandsfläche!). Jetzt wäre es schlau, wenn die Heringe später quasi ein Quadrat ihrer Schnittpunkte mit dem Topfbodendurchmesser bilden.
Das Weltnetz verrät zum Ausrechnen des Abstandes der beiden Stäbe nun die Formel Durchmesser geteilt durch Wurzel Zwei. Wenn Du nun das noch mit einem Lineal an dem Windschutz anträgst (man könnte auch die Kreissegmentlänge zur Sehne mit dem obigen Wert ausrechnen), dann wird das auch etwas genauer als meine Lochung nach Augenmaß 😀

Der Deckel muss drauf

Leider mangelt es mir an Fotos, die Macht der Worte muss genügen:

  • schneide den „Mantel“ einer Getränkedose aus (Alu!)
  • Schneide einen Kreis mit ca. zwei Zentimeter Übermaß im Durchmesser aus
  • Mit dem Daumen den Deckel am Topfrand innen leicht in den Topf „hineinfalzen“
  • Nun zuerst an zwei gegenüberliegenden Punkten den Deckel um den gebördelten Rand der Titantasse aussen herum falten
  • 90° drehen, nochmal gegenüber umknicken
  • zwischen zwei solchen Kicken den nächsten Knick umfalten und so um den Deckel herumarbeiten
  • dabei immer kleinere Knicke erzeugen
  • von oben ein Loch in die Mitte (je nach Rebschnur 2 bis 3 mm)
  • ein Stück Rebschnur mit Koten versehen durchstecken
  • Innen einen Überstand von wenigen Milimetern erhitzen und breit drücken (mit angefeuchtetem Finger)
  • optimal sind noch vier Sicken, welche den Deckel stabilisieren und begradigen (mit Holzstab, Stiftende o.Ä. eindrücken)

Der erste Aufbau

… war ganz spannend, weil ich die Titanheringe vergessen hatte! Logisch, dass ein neues oder geändertes Kochsetup erstmal in der Homezone ausprobiert wird:

windscreen-test

Brenner, Windschutz und Bodenschutz (ohne Heringe!)

In diesem Beitrag findet ihr meine „Koch-Show“.
So sieht es dann in freier Wildbahn aus:

P1060430

Hier der Verschluß des Windschutzes mit Titanhering

Auf zwei Heringen steht der Titantopf, Hering #3 dient als Windschutzverschluß.

Mit Deckel kochts schneller, sagte schon Großmutter:

P1060355

Kocher steht und brennt, der Deckel ist aus Dosenblech gefertigt

Der Deckelknopf und die oben erwähnten Sicken sind hier gut zu erkennen.

Brennstoff aufbewahren

Der UL-Klassiker sind wiederverschließbare Getränkebeutel, wie ich sie hier improvisationshalber genutzt habe:

P1030497

Spiritus vergessen – Improvisieren war angesagt!

Jedoch bin ich erstens Fan von etwas festeren Behältnissen und zweitens gehört bei mir auf jede Brennstoffflasche mindestens einmal dieser Aufkleber drauf:

spiritus-etikett_ghs

Neu –  mit GHS-Symbol

Sicherheit zuerst!

Bitte klaut euch direkt diese Datei, druckt Euch Adressetiketten aus und pappt die überall drauf, wo auch nur ein Tropfen Sprit drin ist!

Als Hauptgefäß habe ich ein festes Fläschen mit 0,25 l Inhalt, wo mal Tuschestiftreiniger drin war. Reserve ist ein Red Bull Energy Shot Gefäß mit 60 ml, reicht für zwei Füllungen. Diese Menge langte für meine „Micro Adventures“ bislang immer aus.

Ansonsten finde sich in fast jedem Haushalt passende Verpackungen, wo schlauerweise schon mal Chemikalien drin waren und mit einer gewissen Eignung für Spiritus gerechnet werden kann:

Transport des Systems

Nach dem Kochen reinige ich zunächst den Brenner und meinen „Freßnapf“ mit einem Papiertaschentuch so sauber wie möglich. Ein kleiner Lappen steht zur Verfügung, wenn die Taschentücher zur Neige gehen. Dann kommt in die Titantasse eine ganz simple Schnittentüte (aus Kunststoff), dann der Brenner, Feuerzeug, gefalteter Bodenschutz, Reservespiritus, Läppchen, ein Reserve-Kaffeestick, Umrührholzspaltel, Mini-Reservelöffel. Tüte zusammenwickeln, Deckel drauf und mit Cosy in eine passende Plastetüte, damit am Deckelrand nichts anscheuert. Der Windschutz kommt seit neuesten um meinen Eßbehälter, da er am Pot immer schnell verbeulte.

Gewicht, Kochleistung und Verbrauch

Im Schnitt benötigt der Kocher 6 bis 7 Minuten um 0,5 l Wasser zum Kochen zu bringen und brennt anschließend für ca. 2 Minuten weiter. Dann sind ca. 30 ml Spiritus verbrannt.
Unter ungünstigen Bedingungen wird das Wasser auch nur sehr heiß, was bisher immer ausreichend war (Kaffee und Frühstücksbrei müssen ohnehin nur mit ausreichend heißem Wasser aufgegossen werden).
Bei guten Bedingungen kann mit einer Kocherfüllung noch ein halber Titanbecher aufgekocht werden, buchstäblich bis zur letzten Flamme.

Das Gewicht beträgt ca. 160 g (ohne Reservespiritus, mit Windschutz).

Nachteile meines Systems

Das verwendete Alumaterial für den Windschutz beult schnell aus, hier könnte Edelstahl in geringerer Stärke eventuell stabiler sein. Durch die Form der verwendeten Titanheringe können diese mit dem gebogenen Kopf hineinrutschen, so dass dann der Topf schief steht. Außerdem fehlen dann die drei Heringe für das Tarp, so dass ich schon einmal einen „Nothering“ aus Holz schnitzen musste. „Dual Use“ heißt eben auch weniger Redundanz!

Da der Windschutz eher kompakt ist, wird durch Wind viel Wärme vom Topf weggeblasen – auch wenn der eigentliche Brenner sich davon unbeeindruckt zeigt.

Das fehlende Regulieren der Brennleistung ist für mich kein spürbarer Nachteil, da ich ohnehin nur Wasser aufkochen will.

Fazit

Mein System funktioniert und fügt sich gut in das Gesamtsystem ein. Gelegentlich werde ich einen anderen Brenner ausprobieren – aber ich denke, dass ich mein Kochsystem so ziemlich gefunden habe.

Was ich damit so Leckeres zubereite, beschreibe ich in einem der kommenden Artikel

Ahoj!
Euer Quittenbrot

 

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