Reste verwerten: neue MYOG-Kreationen

Beim Aufräumen meiner Stoffkisten fiel mir so der eine oder andere Stoff in die Hände. Es fing mit einem Rest von einem Tarp-Projekt an, wo ich mich grandios vermessen hatte 😮

Direkt daneben fanden sich diverse Verschnittreste, Bänder, Schnallen, gebrauchte Reißverschlüsse …

Sogleich fing mein Hirn zu arbeiten an: Gab es da mal nicht so eine #20lsgc Aktion vor Jahren in diversen UL-Blogs?
Könnte ich nicht aus dem einen Stück Silnylon einen ganz simplen Rucksack nähen, nur so ein Sack mit viereckigem Boden, zwei Riemen dran, Rolltopverschluß und fertig?

Der Overnighter-Rucksack

Vier Stunden später: ja, ich kann 🙂

Das Grundmaterial ist Flecktarn Ripstop mit ca. 75 g/m², was ich mal bei funfabric bestellt hatte, da et gerade nichts passendes anbot. Daraus habe ich mir ein Minitarp genäht, was eher als Ergänzung vorhandener Schutzmöglichkeiten dienen soll, und weniger als freistehende Behausung.
Naja, wie heißt es: „Wer mißt, mißt Mist!“ – und so blieb dann neben einem schon arg kompakten Tarp noch ein Streifen in der Stoffbreite mit 45 cm Länge über. Nach meinem UL-Backpack #2 und meinem EDC-Backpack mit unzähligen Features ging es mir diesmal darum, unter Aufbietung aller Willenskräfte zur Unterdrückung meines Engineering-Dranges, einen fast feature-freien Rucksack zu entwerfen. Wirklich nur einen Sack mit Riemen. Okaaaay, 4 Kordelhaken hatten irgendwie dann doch ihren Weg an die Seitennähte gefunden, immerhin wird damit auch der Rolltopverschluß am Ort und Stelle gehalten 😛

Erste Packversuche zeigten, dass ich tatsächlich alles für eine Nacht unterbringen kann. Klar, es muss warm sein (da passt nur der Sommerschlafsack rein), es ist für Fußtouren gedacht und es müssen gewisse Abstriche gemacht werden (Einweg-Folien-Poncho statt Regenklamotten, A3-Kartenausdruck statt Wanderkarten und GPS, Minitarp, gekürzte Isomatte).

Form und Stabilität gewinnt mein gepimpter Einkaufsbeutel nur dadurch, dass im Burritostyle gepackt wird, also mit gerollter Isomatte in den Pack. Aber immerhin passt noch ein Wasserbeutel mit (gewogenen) 2,3 l rein und Wechselwäsche ist auch dabei!

Halb gewogen und halb gerechnet komme ich auf ein BW (Basisgewicht ohne Verbrauchsmaterial) von ca. 2,6 kg. Der Rucksack selber wiegt 107 g und bietet rund 25 l Volumen – okay, meine „Challange“ müsste dann korrekterweise 25-l-sind-genug heißen. Das BW ist etwas getrickst, da ich diverse Sachen auch da typischerweise in einer Hüfttasche trage, andere werfen das in ihren Pack.

Nun warte ich ungeduldig mit den Hufen scharrend auf den ersten Einsatz im Rahmen eines „Microadventures“ sobald die Temperaturen tauglich scheinen 🙄

Zubehör aus Restmaterial

Wo ich schon mal dabei war, musste auch passend dazu eine leichte, schmale Hüfttasche genäht werden für die essentiellen Überlebensdinge des modernen Nomaden – Geld und Handy. Inspiriert durch diverse Anleitungen bei Youtube und anderswo wurde es dann ein Hipbag mit mehr Features als der Rucksack – ein großes Innenfach, zwei Netzfächer und ein Handschuhkarabiner für den Hausschlüssel sorgen für Ordnung:

Zugegeben: die als Verschluß verwendete Alu-Hakenschnalle ist kein Rest, die kostet sogar richtig Geld, da man überdies das dazugehörige Band direkt wegschmeißen kann :/

Klar musste da auch an ein richtig leichtes UL-Wallet gedacht werden! Sonst schleppe ich immer meine EDC-Geldbörse mit, welche ihr im rechten Bild nebem dem Handy seht. Die ist aus Rucksackstoff mit 160 g/m² und wiegt deshalb wahnsinnige 13 Gramm! Dreizehn 😮

Ein unhaltbarer Zustand, welcher umgehend behoben wird. Ich nehme den Stoff von den gebrauchten Ponchos und einen aus einer alten Windjacke mühsam extrahierten Reißverschluß. Mit 85 x 110 mm Fertigmaß ist da sogar richtig Platz drin. Das Finish des Reißverschlusse erfordert am Ende sogar eine Handnaht, aber letztlich ist so ein Geldbeutel schnell genäht. Da liegt mein minimalistisches UL-Wallet nun fertig vor mir. Was wird die Waage sagen?

Asthmatisch keuchend drücke ich nervös auf den „ON“-Button der Küchenwaage. Schier ewig flackern Zahlen und Zeichen beim Selbsttest des UL-Scharfrichters. Dann lege ich behutsam mein UL-Wallet darauf … Luft anhalten … FÜNF GRAMM !!!11!!Einself!!!

Dabei hat der Geldbeutel sogar eine Schlaufe … ist das noch UL oder schon Featuritis?

Falls es doch kühler wird abends und da die Sommerschlafdecke keine Kapuze hat, wurde auch noch ein Rest Thermolite verbraten. Eine Beanie-Mütze nach bewährtem (eigenem) Schnittmuster sollte es sein.

So richtig weiß ich immer noch nicht, was ich von diesem Thermolite Zeugs halten soll. Es ist ein außerordentlich dicht gewebter Stoff aus einer extrem feinen (und dadurch empfindlichen) Faser, welchen extremtextil mal im Sortiment hatte. Ich habe mir daraus einen „Mid-layer“ genäht, nach diesem leicht abgewandelten Schnittmuster. Auf alle Fälle ist es winddichter als Fleece und trockent schnell ab. Egal, der Rest war in der Kiste – also die Ovi geholt und graues Garn eingefädelt (fällt am wenigsten auf). Damit die Naht weniger aufträgt, entfernte ich die linke Nadel. Mit meiner normalen Nähma kann ich das Material überhaupt nicht verarbeiten – da gibt es nur Nähaussetzer o_O

Im Gegensatz zum ersten Beanie aus so einem grünen Fleece mit Karomuster musst ich diesmal zwei Schnitteile vorsehen, das Reststück gab dies so vor. Am Ende war die neue Mütze gerade mal 1 (!) Gramm leichter als die bisherige, aber beim Test auf dem Arbeitsweg zeigte sich eine bessere Windfestigkeit und ein kleineres Packmaß.

Mit 36 g kann ich aber leben und für einen Rest ist noch ganz schön was draus geworden 😀

Schlußwort

Soviel aus meiner Nähwerkstatt – jetzt muss ich das ganze Zeugs auch mal testen und dann könnte vielleicht der eine oder andere Workshop daraus entstehen, oder zumindest ein Erfahrungsbericht zum Thema „Wie fühlt sich echtes Hardcore-UL an“ 😕
Mal sehen.

Ahoj! Euer quittenbrot

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3 Gedanken zu „Reste verwerten: neue MYOG-Kreationen

    1. quittenbrot Autor

      Hallo L.,
      es ist etwas winddichter als normales Fleece, aber keinesfalls ganz winddicht. Es raschelt gar nicht, da es vom Griff her eher an dicken Trikotstoff oder festeren Jersey erinnert. Ich hoffe auch, du hast eine Ovi mit Differentialtransport.
      Ahoj – quittenbrot

      Gefällt mir

      Antwort
  1. Pingback: Microadventure mit kleinen Basteleien | quittenbrot

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