Ausrüstungsplauderei: Simple Pack #3

Warum nähe ich denn noch einen Rucksack? Falsche Frage! Was kann man mit diesem Rucksack denn anstellen und wie verlief der erste Test? Bessere Frage!

Simple Pack #3 – ist das noch simpel?

Tja, da lag noch dieser silikonbeschichtete Polyesterstoff von extremtextil herum, ein in reichlicher Menge geordertes Sonderangebot. Sonst verwende ich das Material an unkritischen Stellen (Innenfächer und dergleichen), aber diesmal sollte das Material seine Chance bekommen. Gedacht war ein Rucksack mit etwas mehr Komfort und Volumen als beim Simple Pack #1, aber immer noch sehr niedrigem Gewicht (im Ergebnis 274g mit Schaumstoffpolsterung) für die kleinen Fluchten aus dem Alltag – wenn ich ausnahmsweise mal das Bike stehenlasse und zu Fuß unterwegs bin.

An besonders beanspruchten Stellen verwendete ich die teilweise wirklich allerletzten Rester stabilerer Nylonstoffe, so sind  Boden und Träger-Obermaterial aus dem grünen Nylonstoff mit 160 g/m², welchen ich bei meinem Bikepack verwendet habe. Das unter dem Schaumstoffpolster versteckte Rückenpanel ist der 130 g/m² Stoff von meinem allerersten großen Rucksackprojekt; die Verhärtung bei Kälte ist ja hier kein störender Fakor.

Die Rückentaschen aus Mesh und die Unterseite der Schulterträger wurden aus Material einer alten Windjacke gefertigt. Das genoppte Schaumstoffteil habe ich von einem Kollegen geschnorrt – das hat praktisch schon von Haus aus gepasst!

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Simple Pack #3

Die Rückenkonstruktion ist beileibe nicht neu, klassischerweise kommen da diverse Z-Rest-Segmente rein:

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Simple Pack #3 – Rückenpartie

Als Füllung der Träger verwendete ich geschenktes Verpackungsmaterial in der Art einer dünnen, weniger dichten Isomatte.

Innen habe ich aus Restem vom Prototarp ein Trinblasenfach angeordnet, welches dann bei Anwendung der Burritomethode (reingerollte Isomatte) über die Isomatte in den Innenraum hineinhängt und so die stabile Außenform gewahrt wird. Eine separate Schlauchdurchführung habe ich wieder entfernt – das war zu komplex und schwächte den Träger an entscheidender Stelle. Der Trinkschlauch lässt sich mit etwas Fummeln durch den Rollverschluß legen; beim ersten Einsatz hatte ich ohnehin auf den Trinkschlauch verzichtet.

Das Netzfach mit Kellerfalte ist unten mit einem Streifen aus stabilem Nylon verstärkt – dabei bleibt die Kellerfalte erhalten:

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Kellerfalte – ausgefaltet

Das trug natürlich auch zur Komplexität des Rucksacks bei, aber insgesamt hat der Pack nicht viele Features und deshalb kann man gerade noch von „Simpel“ sprechen.

Erster Test

Generell lässt sich der dritte simple Pack gut befüllen und tragen. Das Außenmaterial ist wie erwähnt nicht fürs Brechen durchs Unterholz oder Rutschen durch Felsspalten gedacht – dazu ist die Punktbelastung und Abriebfestigekeit eindeutig zu gering. Einmal bin ich an den Fels gestossen – prompt war die Beschichtung an der Stelle abgerieben!

Jedoch war der Rucksack nach voller Beladung mit über 3 l Wasser kurz vor dem Camp in der Boofe noch ganz ordentlich tragbar und zeigte keine Überlastungserscheinungen. Das Volumen dees Korpus ist mit einer Höhe von 50 cm, 30 cm Breite und etwa 16 cm 20cm maximaler Tiefe für einen Overnighter mehr als ausreichend. Mit einem Liter Wasser am Start wog der Rucksack ca. 5,5 kg, dazu kamen dann noch reichlich 2 l Wasser fürs Nachtlager. Jedoch würde ich jetzt nicht mit diesem Maximalgewicht von knapp 8 kg den ganzen Tag laufen wollen – dafür ist das Tragesystem einfach nicht ausgelegt.

Eine Netztasche sollte bei allem Minimalismus immer dran sein – sie ist einfach zu praktisch für feuchte Sachen, Trinkflasche und dergleichen.

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Das Netzfach wird gerne genutzt

Die Rückenpolsterung erwies sich als überraschend komfortabel und auch durchlüftet, dabei hatte ich nur die aufblasbare Exped Synmat passend gefaltet an den Rücken rangelegt. Der offenenporige Schaumstoff leitet die feuchtwarme Luft doch merklich zur Seite und trocknet schnell ab – viel besser etwa als das teure 6 mm Abstandsgewirk meines selbst genähten Alltagsrucksacks.

Die Träger müssen nochmal mittig abgesteppt werden, sonst verrutscht innen die Füllung – das war mir auch schon vorher klar, ich wollte nur wissen, wo die Naht schlauerweise genau hinkommen soll.

Erstaunlich, wieviel Zeug dann trotz UL und kleinem Pack so zusammenkommt:

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Das passt da wirklich in den Rucksack rein!

Diesmal hatte ich, im Gegensatz zum ersten Kurztrip verhältnismäßig viele Klamotten  im Rucksack, deshalb konnte ich mir abends auch ein ordentliches Kissen aus dem Schlafdecken-Rundbeutel und dem drübergezogenen Buff basteln.

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Die Kleiderkammer

Nähtechnische Betrachtung

Die Befestigung der Schulterträger würde ich beim nächsten Mal wieder in der bewährten Art mit dem aufgesetzten Webband vornehmen, das bei den dünnen Stoffen das Mitfassen in der Verbindungsnaht Rücketeil – oberes Stoffteil grenzwertig ist. Deshalb musste ich nicht nur dort, sondern praktisch überall die Nähte noch einmal von oben absteppen (halbe Kappnaht), damit sich die Kraft besser verteilt.

Für die Schulterträger empfehle ich eine Füllung aus 9 mm Evazote Isomattenmaterial, welches nur einige Gramm Mehrgewicht mit sich bringt aber doch deutlich mehr Stabilität aufweist. Sonst ist der Rucksack gewichtsmäßig vom Einsatzbereich zu sehr eingeschränkt, der Korpus an sich hält da nämlich schon etwas aus.

Bis auf das innere Trinkblasenfach, die außen aufgesetzte Netztasche und der Trinkschlauchführung hat der Rucksack keine weitere Ausstattung – keine „Daisy Chain“, keine Hüft- und Brustgurte, keine Eispickelhalterung und auch keine Stockhalterung. Den Wanderstock gibts im Wald, und mein Motto lautet ohnehin, dass die Ausrüstung grundsätzlich in den Rucksack gehört (Ausnahme: Netztasche).

Die hier verwendete Rucksackart Modell „Tonne“ bietet für mich das beste Näh/Leistungsverhältnis und eignet sich sowohl für die Burritomethode als auch für den guten alten „Ray-Way“ mit nur an den Rücken gefalteter Isomatte und ansonsten geschickter Packmethodik.
Prinzipiell wäre das Modell mit etwas mehr Volumen und stabilerem Stoff, jedoch dann unbedingt mit Hüft- und Brustgurt, auch fürs Bikepacking zu gebrauchen.

Ahoj – Euer quittenbrot

Korrektur: Rucksacktiefe geändert

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2 Gedanken zu „Ausrüstungsplauderei: Simple Pack #3

  1. Pingback: Der Goldstandard beim Bikepacking? | quittenbrot

  2. Pingback: MYOG-Linkliste — Rucksaecke – …alles rund ums Leben draussen….

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