Tourenkonzept & „Gear Talk“

Auch wenn der letzte Ausflug über Nacht schon eine Weile her ist, war ich mitnichten untätig. Trainingstouren wurden abgefahren, mein neues Tourenkonzept bekam den letzten Feinschliff und der eine oder andere Ausrüstungsgegenstand wurde entwickelt oder optimiert. Warum das heute jedoch mehr Ausrüstungsgeplänkel („Gear Talk“) als Tourennachlese ist, erfahrt ihr gleich.

Die Tour

Während voriger Touren und durch weitere Recherche stieß ich auf diverse DH-Tracks und eine sich rasch entwickelnde Bikepark-Szene in Tschechien. Das ließ den schon erwähnten Gedanken in mir reifen, einmal Bikepacking mit Bikeparks bzw. technischen Abfahren zu verbinden.

Kurz gesagt, lief es fast zwei Tage gut, bis ich dann in einer Anliegerkurve blöd weggerutscht bin und mit lädierten Knochen den geordneten Rückzug antreten musste 😥

Letztlich waren dann die Schäden doch nicht so katastrophal, ich hatte immerhin zwei einmalig schöne Tage mit genialen Abfahrten und konnte natürlich wieder Erfahrungen sammeln.

Während hier und ff. an gewohnter Stelle der Bericht zu finden ist, will ich heute über die Ausrüstung und die spezielle Herangehensweise schreiben.

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Frühstück bequem im Wald

Gear Talk

Packtechnologie

Der Golden Bikepack konnte diesmal so richtig zeigen, was ihn ihm steckt: Alles Zeug kam in den Rucksack, bis auf die Knie/Schienbeinschoner und der FF-Helm, welche außen angebracht waren (siehe Foto oben – der FF-Helm in der Halterung am Latz). Am Lenker war das GPS, und das Wichtigste für Survival in der modernen Welt (Geld, Ausweis, Handy, Schlüssel, Stift + Mini-Reiseführer im A3-Format) befand sich in einer flachen MYOG-Hüfttasche.

So konnte ich mich frei auf dem Bike bewegen und musste nicht mit zahllosen Taschen jonglieren. Nicht mal eine Satteltasche hatte ich diesmal dabei!

Auf gemäßigten Trails bin ich mit CC-Helm und ohne Schoner gefahren, die technischen DH-Strecken wurden dann mit FF-Helm, Knie/Schienbeinschonern und Ellebogenschonern in Angriff genommen. Der CC-Helm kam dann hinten in den Latz und störte da nicht weiter. Genervt hat hingegen im Trail-Modus der wuchtige und ausladende FF-Helm. Während das im Wald eher nur das Gewicht war, was sich doch bemerkbar gemacht hat, war es in Zügen und Städten jedesmal wie im Slapstickfilm, wenn ich mich herumgedreht habe. Erst allmählich lernte ich dann, mich entsprechend geschmeidig zu bewegen und Drehungen zu vermeiden.

Dennoch hat der Golden Bikepack eine gute Figur abgegeben und saß wie erwartet super kompakt am Körper. Die seitlichen Taschen haben sich mehr als bewährt und so hat mir auch kein Mountain-Feedbag oder anderweitiges Lenkertäschchen gefehlt. Nur für die Schoner hatte ich nicht wirklich eine clevere Befestigungsoption am Start, die trohnten dann obenauf auf dem Pack und wurden durch den Riemen gesichert, welcher von den Schulterträgern zum Latz verläuft.

Das Abmarschgewicht mit Essen und reichlich 2 Litern Wasser betrug über 11 kg, weit über meiner Komfort-Schallmauer von 10 kg! Da will ich sonst deutlich drunterbleiben, wenn ich klassisch durch den Forst rolle. Also wurden diesmal die Transfers dann mit Zugünterstützung abgekürzt oder waren entsprechend kurz geplant.
Eine Abfahrt konnte ich ganz komfortabel ohne Pack absolvieren, der war dann in einem Imbiß verwahrt. Dumm nur, dass ich auf genau der Abfahrt weggerutscht bin o_O

Mein kleines Tarpchen hat sich auch wieder bewährt – war nur schwierig, mitten im Wald eine ebene Stelle zu finden:

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klein, aber mein

Futter gabs auch. Da hatte ich schon eine Hauptmahlzeit verputzt und diverse Riegel konsumiert:

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Bikepacker sind auch Kalorienzähler

Bewährte Sachen alles. Links unten sind zwei so heiße Tassen Teile, die kleine Dose unterhalb des Seitenbacher-Riegels enthält Salz und daneben liegt auf den Teebeuteln eine Portion Mineralgetränk. Das hat aber im Trinbeutel nichts zu suchen, deshalb zusätzlich noch das pure Salz. Weil leider meine bevorzugten Kaffeesticks nicht erhältlich sind, musste ich entsprechende Portionen aus einem großen Glas in das Gefäß unterhalb des Salzdöschens einfüllen.

Ganz rechts unten seht ihr den Frühstücksbrei mit Rosinen, schon fertig portioniert. A propos Portionen: Da habe ich dann doch geschwankt zwischen dem Verbrauch zahlloser Tütchen und Beutelchen und festen, dichten, jedoch auch schwereren Gefäßen zum Wiederverwenden. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt.

Anziehend

An der Fashionfront hat sich auch etwas getan: Ein warmer, hüftlanger, kuscheliger Hoodie mit Kapuze stand seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste. Im Mix mehrer Schnittmuster, Prototypen und mittels eigener Abwandlungen entstand aus einem unglaublich anschmiegsamen Karofleece von extex ein echtes Lieblingsteil:

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Tarp checken am Morgen

Aus einem 170g/m² Stöffchen ergab sich letztlich ein Gewicht von 293 g – für mich ein unerreichtes Kuschel/Gewichtsverhältnis! Leider ist der Stoff aber auch mega empfindlich, was Fäden ziehen anbetrifft. Deshalb wird der auch nur im Camp angezogen und allenfalls früh zum Aufwärmen auf den ersten Trailmetern mit Windjacke kombiniert.

Die Kleidung ist ja immer ein merklicher und oft unterschätzter Gewichtsposten und so überlegte ich, wie ich da optimieren kann. Nachdem sich klassische Beinlinge und Armlinge nicht bewährt hatten, um lange Sachen einzusparen, hatte ich diesmal folgende Kombi parat:

  • Die Basis bildete eine Freeride-Shorts (stabil, viele Taschen, Schoner-tauglich) und ein legeres KuFa-Shirt.
  • aufgrund der Wetterprognosen kam eine knielange Radhose mit Einsatz drunter, was sich auch als richtig erwies. Das Trägerhemd aus Netz ist sowieso immer dabei: kühlt bei Hitze, wärmt bei Kälte.
  • Zur Anpassung an kalte Temperaturen diente dann ein leichtes Langarmtrikot (155 g, hat sogar den Sturz ohne Spuren mitgemacht) und die zu „Wadlingen“ umgearbeiteten Ärmlinge. Zusammen mit der knielangen Radhose ergab sich eine ausreichende Wärmisolation.
  • Im Notfall (Wetterumsturz) könnte ich noch auf die lange KuFa-Unterhose zurückgreifen und die Regensachen anziehen.
  • Im Schlafsack kommt ein T-Shirt aus Merinowollgemisch zum Einsatz, das 2. Paar Socken und der erwähnte MYOG Hoodie.
  • Hoodie, Schlaf-T-Shirt, Reservesocken und die lange Unterhose kommen zusammen mit dem Schlafsack in den Exped-Aufpustsack, da diese Sachen unter allen Umständen trocken bleiben müssen.
  • Longshirt, Wadlinge und Windjacke befinden sich oben auf im Rucksack, die Regensachen sind auch gut zu erreichen.

Die Wadlinge sehen so aus:

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„Wadlinge“ aus Ärmlingen gefertigt

Mit 54 g und kleinem Packmaß habe sich diese Stoffröhren bewährt. Aber sie bedecken nur die Wade, die Knie bleiben frei. Herkömmliche Beinlinge funktionieren nur bei ausreichend großer Überlappung mit einer engen Radhose, während die Wadlinge auch so nicht verrutschen. Da ich bei warmen Wetter nur ganz kurze „Radschlüppis“ nutze, rutschen die normalen Beinlinge ganz schnell hinunter.

Wo wir gerade von Sachen reden: Die Raincut Regenjacke von Decathlon ist ja ein bekannter Tipp aus der UL-Szene. Minimalistisch gestaltet und mit 193 g in L steht sie für ihren Preis konkurrenzlos da, zumal das Material ausreichend regenfest ist. Leider ist die Versiegelung der langen Seitennaht vom Ärmel bis zur Hüfte der knappen Kalkulation zum Opfer gefallen. Dort sickert dann bei stundenlangem Regen tatsächlich Feuchtigkeit ein – es lässt sich aber Abhilfe schaffen: bei extex erhältliches Nahtband lässt sich mit einem normalen Bügeleisen aufbügeln.

Das addiert zwar einige Gramm, aber so ist man noch besser geschützt.

Der Trick mit dem Licht

Bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten ist mein normales Vorderlicht, ein älteres Lezyne Macro Drive mit 95 g, diesmal auf die Reservebank geschickt worden. Leichte Rücklichter sind ja nicht das Ding, aber vorne? Schließlich hatte ich auf Hin- und Rückreise geplante Wegabschnitte im Halbdunklen zurückzulegen.

Meine für den Hardcore-ULer mit 33 g ja schon UH-verdächtige LiteXPress Liberty 105 half mir aber dank integrierter Klemme aus der Patsche:

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ausreichend als Positionslicht in der Dämmerung

Das nenne ich mal Multiuse, der Clip ist aber auch im Camp extrem nützlich. Ohne Modifikatiion ging natürlich auch bei dem Ausrüstungsteil nichts, so wurde das Kopfband von einer Schnalle befreit und auf meinen Nischelumfang angepasst wieder zusammengenäht.

Endgültig kaputt

ist nun die Synmat UL von Exped. So geht Gear gar nicht, meine Herren! Nachts kam der gefürchtete Synmat-Plopp und ich konnte nur noch schräg liegen:

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PLOPP! aus zwei mach eins

Nun stehe ich da und überlege, wie ich meine ohnehin vorhandene blaue billig-Isomatte, die aufgrund der notwendigen Burrito-Packmethode immer dabei ist, sinnvollerweise mit noch einer weiteren,  bequemen und auch kälteresistenteren Unterlage kombinieren kann. Ob ich nochmal soviel Geld für eine aufblasbare Matte löhne, muß ich mir noch ganz schwer überlegen. In der engeren Wahl ist derzeit eine preiswerte Faltisomatte, die gefaltet genau am Rücken in den Rucksack passt und so noch mehr Stabilität bringt.

So dumm es klingt: aber das Beste an der Synmat ist der Aufpustsack, welcher einen respektablen und voluminösen Drybag abgibt.

Noch jemand da?

Dann hab ich noch einen („One more Thing“ …): Campsandalen nach dem Vorbild der Huaraches – diesmal leicht und haltbar. Im Wald relativ sinnfrei, sind die für Campingplätze ein unschätzbarer Komfortgewinn, vor allem  beim Betreten von Sanitärräumen. Mittels zwei Lagen Moosgummi und einer Decklage aus 500 den Cordura entstanden meine 43-Gramm-Exemplare:

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Balsam für die Füße nach heißen Trails

Die konnte ich nun nicht on Tour, aber immerhin zu Hause testen und bis auf eine Verstärkung im Bereich des Zehenknotens scheint das Material für den Zweck ausreichend stabil zu sein.

Fazit und Vorschau

Das Tourenkonzept kann funktionieren, wenn man sich auf den technischen Trails deutlich unter seinem Können bewegt.
Jedoch müssen dann zur weiteren Gewichtsreduktion aber auch alle Register gezogen werden, um das Mehrgewicht an Schonern und Helm zumindest in Ansätzen zu kompensieren und damit man auf langen Abfahrten nicht zu schnell erschöpft ist. Sonst ist es nicht nur unkomfortabel, sondern es wird regelrecht gefährlich!

Folgende Maßnahmen würden mir da einfallen:

  • Recherchieren, ob so ein Kombihelm mit abnehmbaren Kinnbügel Sinn macht – mit zwei Helmen Hantieren hat echt genervt.
  • GPS, Handy und Kamera durch Outdoor-Smartphone ersetzen. Da muss ich mich als bekennender Smartphone-Verweigerer aber noch tüchtig dazu motivieren :/
  • Essen radikal reduzieren: nur Frühstück und Kaffee für alle Tage mitnehmen, Riegel und Abendmahlzeiten nur für einen Tag und dann konsequent auf Zukäufe setzten bzw. Imbißangebote nutzen.
  • Ein paar Gramm lassen sich noch da und dort an der allgemeinen Ausrüstung sparen – aber viel Luft ist da für diese Art Touren nicht mehr drin.

In folgenden Beiträgen will ich mich dann den einzelnen MYOG-Projekten widmen, aber heute war mal so ein Rundumschlag einfach nötig 😎

Ahoj sagt Euer quittenbrot

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2 Gedanken zu „Tourenkonzept & „Gear Talk“

    1. quittenbrot Autor

      Die habe die original Huarache Schnürung (mit Fersenhalt), wodurch sie sich super bequem tragen. Man muss nicht, wie bei Flip-Flops, die Zehen verkrampfen, damit die Latschen nicht davonfliegen. Aber ich habe die Sohle nochmal auf das Nötigste reduziert, muss ich direkt mal wieder wiegen!
      Dazu werden ich auch mal einen kurzen Artikel schreiben, für alle, die das eventuell nachbauen möchten.

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