Feuer entfachen: 2 Tricks

Heute geht es mal nicht um Rucksäcke, sondern um eine grundlegende Fertigkeit für die Wildnis: Feuer mache mit zwei Methoden, die das Anzünden deutlich vereinfachen. Zuvor aber noch eine Warnung an alle Wannabe-Survival-Experten!

Erst denken – dann zündeln!!!

Ein Wort zuvor, bevor wir das Streichholz zücken.  Wir haben in der modernen Welt jegliches Gefühl für die Gefahren des Feuermachens in der Natur verloren. Es werden wahre Scheiterhaufen abgefackelt, so dass man bei kaltem Wettter letztlich im T-Shirt am Feuer sitzt! Brandgefahr? I wo, hat doch geregnet! Klar doch, sollte man nur bedenken, dass nach einem halben Jahr Gluthitze die paar Tropfen ein Witz sind und sich im Untergrund unglaubliche Schwelbrände entzünden können – muss man gesehen haben, um Bescheid zu wissen.

Wer jetzt immer noch dümmlich lächeln denkt: wird schon nix passsieren 🙄 , hier bitte: Waldbrand mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz, über 150 Kameraden bei Bullenhitze im Einsatz o_O
Vermutliche Ursache: Boofer (Freiluftübernachter), trotz nächtlicher Waldsperrung aufgrund der außerordentlichen Trockenheit und ständigem Feuerverbots!

Also, hier die Belehrung. Bitte unterschrieben bis morgen zurück >:D

  • Entfache Feuer nur, wo es erlaubt ist!
  • Achte auf nicht brennbaren Untergrund (Sand, Fels, …).
  • Mache das Feuer so klein wie möglich.
  • Ständig beobachten.
  • Holz so naturschonend wie möglich entnehmen.
  • Bei Verlassen des Camps Feuer ablöschen oder ersticken und auf Glutreste kontrollieren.

Aber genug der Vorrede. Es kann, die rechtlichen Aspekte mal außer Acht gelassen, extrem nützlich sein oder Dein Überleben bedeuten, wenn Du schnell und efektiv Feuer machen kannst.

Fangen wir mit Methode #1 an:

Wachspads: billig, leicht, schnell!

Da habe ich irgendwo in den Weiten des Weltnetzes mal die Methode mit den Wachspads aufgeschnappt. Die Herstellung ist simpel: die Wattepads aus dem Drogeriemarkt nehmen, in flüssiges Wachs schmeissen, auf Backpapier legen und fest werden lassen. Fertig!

Dann kann man die Wachspads in einer Tüte lagern und in die Kiste mit dem Boofzeug legen.

Wachspads

Zum Anzünden knickt man so ein Wachspad ordentlich, damit feine Fasern hervorstehen und hält ganz simpel das Feuerzeug dran. Wenn das Pad erstmal ordentlich brennt, allerlei Kleinholz und Anzündmaterial drüber legen. Dabei das Feuer nicht ersticken! In Minuten hat man ein lichterloh brennendes Feuer am Laufen. Das ist quasi die Methode mit Geling-Garantie, auch bei feuchtem Wetter.

Wachspad angezündet

Ja, jetzt wird der eine oder andere denken: das ist jetzt aber nicht die reine Bushcraft-Lehre! Nö, aber funzt derartig gut, dass ich immer ein oder zwei Pads auf meinen Übernachtungstouren im Rucksack habe.

Aber nun kommt der Tipp #2, für die Künstler, Puristen, Messerfreaks oder wenn Du wachspadmäßig ausgeschossen bist:

Feather Sticks oder: Weihnachtsbaum schnitzen

Die Methode ist schon etwas zünftiger als die Anzündhilfe von eben mit dem Charme von Kohlenanzünder. Außerdem trainiert man damit gleichzeitig seine Messerfertigkeiten und kann da ein völlig neues Level an Messerbeherrschung erreichen!

Was sind Feathersticks? Es sind schmale Holzleisten, wo man im idealfall papierdünne Späne abschält, die aber am Hölzchen dranbleiben. Praktisch vergößert man damit die brennbare Oberfläche, und am Ende brennt dann auch der verbleibende Stock oder eben „Stick“. So habe ich schon Grillfeuer angezündet, und es dürfen auch ruhig 2 oder 3 Feathersticks sein, die man ins Feuerholz legt.

Weihnachtsbaum? Nein, ein Featherstick, Anfänger-Niveau.

Das passende Material: als Holz ist Kiefernholz ideal. Es läßtsich leicht spalten und ist harzreich, zudem weit verbreitet.
Beim Messer ist der Scandi-Schliff die erste Wahl. Nicht nur die bekannt hohe Schärfe, sondern auch die gute Kontrolle durch die breite Primärfase (und das Fehlen der Sekundärfase!) lassen recht rasch erste Erfolge eintreten. Mit Schliffarten, wo sich eine deutliche Senkundärfase erkennen läßt, hatte ich bislang weniger gute Erfahrugen; ebenso mit zu wuchtigen Messern.

Hier im Bild sehen wir zwei Moraknives: das größeres ist das Bushcraft mit der (nicht mehr erhältlichen) Klinge aus Triflex Steel, das kleinere ist ein sehr preiswertes Basic 511 mit gründlich gebeizter Carbonstahklinge. Beide Messer sind hervorragend geeignet, wobei das Bushcraft durch den ergonomischeren Griff aus weicherem Material doch besser in der Hand liegt.

Featherstick Stilleben

So geht der Feather Stick:

Wir spalten mit der Knüppelmethode („Batoning”) zunächst das Kiefernholz in handliche, schmale Scheite. So einen Zentimerter dick und zwei Finger tief ist ganz handlich. Dann setzt man die Klinge in flachem Winkel an und zieht von sich weg einen schmalen Span, bis kurz vor das Holzende. Die Klinge wird zurückgezogen und der nächste Span gezogen. So arbeitet man sich nach hinten, an das körperzugewandte Ende. Der Stick wird Körpernah im Zangengriff gehalten. Du kannst ein- oder zweiseitig arbeiten, je nach Holz und Lust und Laune.

Abfallende Späne – das wird anfänglich häufig passieren – sammeln wir in einem Gefäß als zusätzliches Anzündmaterial.

Oooops … abgesenst! Ab damit ins Töpfchen.

Zum Entfachen des Feuers zündet man so einen Span an und legt dann vorsichtig weiteres Anzündmaterial darüber.  Das Feuer dabei nicht ersticken!

Wer nach Feather Stick sucht, wird weitere Anleitungen und wahre Kunstwerke der Schnitzkunst finden. In diesem Sinne soll dass hier eine Anregung sein. Aber nun viel Spaß beim Featherstick Schnitzen.

Ahoj!
Euer quittenbrot

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