Freeride-Bikepacking-BW-Hose

Zugegeben, ein etwas sperriger Titel. Aber der Reihe nach: während meiner Übernachtungstouren mit dem MTB reifte der Wunsch nach einer speziellen Hose für genau diese Art des Draußenseins. Ausgangsbasis sollte eine gebrauchte Bundeswehrhose Typ Tropen sein. Warum?

Zum einen sind gute Freeride-Bikeshorts recht preisintensiv, zum anderen habe ich mich optisch an den berühmten tschechischen Trampern orientiert, wo gebrauchte Armeeklamotten Standard sind. Da kann man sich auch einfach mal auf einen Baumstamm setzen oder durchs Gestrüpp brechen, ohne sich allzusehr Gedanken um die strukturelle Integrität seiner Outdoor-Fashion-Investition zu machen.

Das Ausgangsmaterial und die Idee

Die Ausführung der BW-Hose für die Tropen besteht aus dünnerem Stoff mit einem höheren Kunstfaseranteil, ähnlich der Hose für den Einsatz in Wüstengegenden,  von der ich eine passend abgelängte als kurze Wanderhose bereits im Einsatz habe.

Aus den Erfahrungen mit der genannten Wanderhose entstand auch die Liste an Änderungen: Der Bund sollte komplett neu aus KuFa-Hosenstoff aufgebaut werden, da ich dort die größte Schweißentwicklung beobachten konnte. Radtypisch sollte der Hintern verstärkt werden, ein großzügiger Zwickel aus dünnem Stretchmaterial sollte den Komfort steigern. Und wo wir schon mal bei „Wünsch-Dir-Was“ sind, sollten natürlich Lüftungszipper auch nicht fehlen. Hatte ich auch schon den flexiblen Einsatz im Lendenwirbelbereich erwähnt? Das ist  bei solchen Freeride-Hosen praktisch das Must-have-Feature! Ach ja, der Bund sollte hinten auch höher geschnitten sein, passend zur spezifischen Radfahrhaltung.

Entsprechend wurde eine gebrauchte Hose bestellt, eine Nummer größer als sonst für den lässigen Sitz. Ein grauer Hosenstoff aus Supplex Nylon in 115g/m² Qualität und ein grüner stretchiger 170 g/m² Hosenstoff (Stretch-Poly) wurde bei extremtextil geordert.

Dann folgten Ausführungsideen, Skizzen entstanden, Details wurden erwogen und wieder verworfen. Wie immer lag das Projekt auch eine Weile in der Kiste herum, aber dann ging es los. Heiße Phase!

Design by sewing …

oder so könnte man die folgenden Schritte nennen. Sprich, viele Details wurden erst beim Machen festgelegt. Zunächst wurden aus dicker Malerfolie die entsprechenden Schnitteile konstruiert – direkt auf der Hose o_O

es geht los – die Schnitteile entstehen

Da ging es auch schon los: der flexible Einsatz musste horizontal deutlich größer werden, damit die Gesäßtasche verschwindet und Nahtzugabe braucht es ja auch noch.  Man sieht es an meinen Strichen, wie sich das entwickelt hat.

Der Bund gestaltete sich aufwändig und bestand hinten aus insgesamt 4 Lagen Material: zwei Lagen Hosenstoff, innen als Einlage 3 mm Abstandsgewirk (das Zeug, was die meisten Schultergurte körpernah haben) und ganz innen noch ein Rest Meshmaterial, um einen rutscharmen Sitz zu realisieren.

Schnitteile für den neuen Bund

Die Schnalle habe ich letztlich nicht verwendet, sondern (nicht im Bild) zwei Druckknöpfe kombiniert mit Klettverschluß.

Endlich rattert die Nähmaschine!

Hier sind die weiteren Schritte dargestellt:

Am kompliziertesten erwies sich das Einnähen des Zwickels. Da hätte ich noch mehr Nahtzugabe lassen sollen, weil sich beim Erstellen des Schnittmusters am lebenden Objekt nur eine geringe Genauigkeit erzielen läßt und die exakte Nahtlinie quasi erst beim Nähen entsteht. Zumal dort ein extrem stretchiger Stoff an einen sehr steifen, stabilen Stoff angesteppt wird, was schon mit exakten Schnitteilen nicht trivial ist.

Als günstig erwies sich mühsam per Hand abgetrenntes dünnes Schrägband aus irgendwelchen ausgeschlachteten Teilen, welches ich zum Versäubern der Schnittkanten am Bund und am Hosensaumbeleg einsetzen konnte. Das trägt dann nicht so dick  auf, da bspws. beim Bund nur eine Seite umgefaltet und somit doppelt gelegt wird.

A propos ausgeschlachtet: die  Lüftungs-RVs stammen auch aus einer Marken-Softshell-Radhose, welche leider viel zu schnell verschlissen war. Die Zipper waren echt das Beste an der Hose.

Aber nun ist die Hose endlich fertig:

Beim ersten Einsatz mit Sack und Pack hat sich die Hose generell bewährt 😎 Die zum Wald passende Optik in originalem 5-Farb-Flecktarn und die fetten Seitentaschen sind schon mal eine Ansage. Meine mühselig eingenähten Features tragen optisch gar nicht so dolle auf, aber die Funktion macht sich deutlich bemerkbar. Insofern hat alles auf Anhieb gepasst – bis auf den Bund, welcher ohne Gürtel gedacht war. Dafür hatte ich Klettverschlußriegel vorgesehen. Aber der Hosenstoff erwies sich ohne feste Einlage als zu instabil und so rutschte die Hose etwas auf der Hüfte herunter.

der deformierte Bund nach dem ersten Einsatz

An eine nachträglich angebrachte Einlage war gar nicht zu denken, das hätte die komplette Auftrennung des Bundes bedeutet. So entschloß ich mich dazu, Gürtelschlaufen aufzunähen. Als Material diente mir dabei doppelt gelegtes und dreifach abgestepptes 20mm-Ripsband in passendem Braunton.

Gürtelschlaufen hinzugefügt

Mit Gürtel sitzt die Hose nun besser. Gerade wenn man wie ich oft in den Wiegetritt geht, ist es blöd, wenn der Zwickel gefühlt irgendwann in der Kniekehle hängt o_O

Fazit

Ja, es wahr mühsam und zeitaufwändig. Aber jetzt habe ich „meine“ ganz spezielle Bikepacking-Hose im Freeridestil, die auch mit Knieschonern gut harmoniert und bestens zum Leben im Wald passt. Über die Haltbarkeit kann ich an der Stelle freilich noch nichts sagen, aber die verwendeten Stoffe sollten zumindest rein haptisch vom „Griff“ her nicht so schnell schlapp machen.

Ahoj – Euer quittenbrot!

P.S. Hier in WordPress wird gerade ein neuer Editor getestet. Dabei ist leider die Galeriefunktion flötengegangen, die zuvor eine Diashow der entsprechenden Bilder angezeigt hat. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft einrenken wird und bis dahin werde ich alle Galeriebilder mit dem eigentlichen Medium verlinken, für den, der Details sehen will.

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