Tschechien: Tipps & Tricks

Unser Nachbarland Tschechien bietet weit mehr als nur Berge, Burgen und Bier. Hier findet Ihr Tipps, Links, Besonderheiten und meine ganz persönlichen Ansichten über mein Reiseland #1!

Allgemeine Informationen

Sprache und touristische Portale

  • Ein allgemeines Reiseportal
  • Radfahrer wilkommen! Die Schilder sind häufig zu sehen – habe ich aber noch nicht ausprobiert.
  • dict.cc auf Tschechisch
  • Die tschechische Bahn, hier direkt zu individuellen Streckenfahrplänen. Unter Bahn.de lassen sich auch tschechische Ziele eingeben. Weiter unten finden sich noch wichtige Tipps! (Hinweis: der ursprüngliche Link direkt zu den Kursbuchauszügen funktioniert nicht mehr, aber man kann sich mit obigem Link zwischen zwei Orten individuelle Fahrplantafeln im PFD-Format erzeugen lassen).

Online-Karten

Vergesst Google Maps!! Hier kommen die wirklich brauchbaren Online-Karten:

  • Der Klassiker, welchen ich auch als gedruckte Karte nutze: Cykloserver
  • allgemeine touristische Karte mit zahllosen verlinkten Fotos (Tipp: der erste Menüpunkt links führt zu unterschiedlichen Kartendarstellungen, u.a. Wintersport, historische Karte usw!)
  • Openstreetmap in einer besonderen Version fürs MTB (damit lassen sich auch prima gut aufgelöste Grafiken fürs Ausdrucken erzeugen)
  • Wasser! Ja, hier sind praktisch alle Quellen und Brunnen aufgeführt, fürs Wildcampen sehr brauchbar. Das gefragte Naß plätschert aus studánka oder pramen.
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eine der unzähligen gefassten Quellen, diverse Becher dürfen da auch nicht fehlen

Literatur und Blogs

  • Heimatbuchverlag Michael Bellmann – Wanderungen in Nordböhmen
  • Berg- und Naturverlag Rölke, – Böhmisches Mittelgebirge u.a.
  • Dieser Blog ist eine meiner wichtigsten Quellen und Inspirationsgeber. Ausgewiesene Böhmenkenner erwandern in teils mehrtägigen Touren so dermaßen versteckte Winkel und Ecken, das man nur Staunen kann. Zeit nehmen und vor allem Björns Wandertipps durchlesen!

Spezialitäten

Microbrauereien

Als Antwort auf die Marktbereinigung (oder Verödung, das haben nicht mal die sog. Kommunisten geschafft!) durch die großen Lebensmittelkonzerne sprießen überall Microbrauereien („Micropivovar“) aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. In folgenden Micropivovar war ich  bisher und kann deren Biere uneingeschränkt empfehlen, zumal man sich da auch mit Plasteflaschen für zuhause bevorraten kann:

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Einfach nur lecker …

  • Falkenštejn aus Krásná Lípa · Schönlinde: unfiltriert und nicht pasteurisiert, mein persönlicher Favorit in allen Varianten (hell, dunkel, halbdunkel)
  • Minibrauerei Labuť („Zum Schwan“) aus Litoměřice · Leitmeritz: ebenfalls unfiltriert und nicht pasteurisiert, kommt meines Erachtens dicht an das Falkensteiner ran
  • Pivovar Antoš (das wurde unterhalb der Burg Bezděz · Bösig ausgeschenkt und verkauft): das leichte Schankbier geht gut runter, das Amber Ale ist schon derbes Zeug o_O
  • Pivovar Děčín mit der Marke Kapitán ist ein Brauereirestaurant in einer alten Brauerei unweit des Bahnhofs. Zum Mitnehmen gibt es diesmal 0,75 l Glasflaschen! Das helle 11° war mein Favorit, das Dunkle fand ich eine Spur zu malzig.

Hinweis: Meistens wird die Stammwürze (etwa das beliebte 11°) angegeben, und nicht der Alkoholgehalt. Während das 11° meist so um die 4,5 vol% aufweist, knallt etwa ein 14° an heißen Tagen schon mehr in die Birne XD

Essen & Trinken

Eins muss man klar sagen: Tschechien ist nicht gerade ein Paradies für Vegetarier oder gar Veganer. Auf dem Land hat sich die Speisekarte gefühlte 50 Jahre praktisch nicht verändert, und als Fleischverweigerer bleibt oft nur die Kalorienbombe Smažený sýr (Frittierter Käse) mit hranolky (Pommes) und tatarská omáčka (Tatarensoße)

Aber man findet hier und da doch neue Ideen, etwa in der oben erwähnten Falkenštejn-Pivovar, man muß nur die Augen offen halten.

Update: man sollte inzwischen auch in gewohnten Restaurants doch mal die Speisekarte genauer studieren, das Angebot an fleischfreien Speisen wächst langsam jedoch stetig! Im Winter konnte ich mich im Komáří hůrka · Mückentürmchen an lecker Linguine mit Trockentomaten, Rucola und Hobelkäse laben 😛

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Gib mir … Kalorien!

Gab es früher in der Fläche (und heute noch in einfachen traditionellen Kneipen) ausschließlich Kaffe türkisch, der ab den 90ern durch Filterkaffee ergänzt wurde, hat sich nunmehr erfreulicherweise eine kleine, aber feine Kaffeehausszene etabliert. Meine sächsichen Gene verlangen nach Kaffee und Kuchen, was durchauch schon mal so aussehen kann:

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Wer unbedingt will, hätte auch ein Bier haben können

Geld & Einkaufen

Am besten man holt sich die benötigte Menge an tschechischen Kronen direkt aus dem Bankautomat. Auch wenn man oft in Euro zahlen kann, gibt es Situationen, wo die Landeswährung unverzichtbar ist: beim Fahrkartenkauf in Bus und Bahn, Drehkreuze mit Geldschlitz, Einkaufsmärkte in der Pampa („potraviny“) und dergleichen mehr.

Lebensmittel einkaufen kann man in vielen kleinen Orten bikepacker-gerecht in den eben erwähnten kleinen, meist von Vietnamesen geführten Lebensmittelläden. In größeren Ortschaften haben die Ketten den Markt übernommen, also LIDL, DM und dergleichen. Tschechische Originalprodukte werden da aber immer seltener, vom Hörnchen („rohlík“) und dem Billigbier in der 2-Liter-Plasteflasche mal abgesehen.

Bahnfahren

Tschechien ist ein Bahnparadies! Es gibt noch unglaublich verträumte Nebenstrecken, da ist die Fahrt an sich schon ein Erlebnis. Preise sind für uns günstig und das rollende Material ist teilweise auf modernstem Niveau, mit Niederflureinstieg, großem werbefreien Display, Klimaanlage usw., und dann wären da noch zahlreiche Museumsbahnen, da schnalzt der Bahnfreund mit der Zunge.

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unterwegs auf Nebenstrecken

Regionalzüge erlauben praktisch immer die Radmitnahme, im internationalen Fernverkehr sollte oder muss man reservieren (nutze ich nicht, vorher informieren!). Das Rad hängt meistens an einem Haken, das ist etwas unkomfortabel, zumal mit breiten Pellen. Völlig abenteuerlich ist bei schnelleren Zügen der Einstieg in die klassischen Reisezugwagen, man steigt richtig steile Stufen hoch und wieder runter.

Auch die Bahnhöfe machen einen gepflegten Eindruck und meist ist auch an kleinen Stationen ein Schalter geöffnet. Ansonsten kann man die Fahrkarte im Zug kaufen, da aber nur mit Kronen.
Achtung!
Am Schalter kann man auch mit Euros zahlen, bekommt das Wechselgeld aber in Kronen zurück!

Unterwegs im Land

Wege und Trails

Tschechien wird von einem beispielhaft gepflegten, dichten Netz an Wanderwegen, Radtrassen („Cyklotrasa“) und Langlaufpisten durchzogen. Ausgehängte Wanderkarten findet man oft an größeren Knotenpunkten und sogar der alte Kammweg ist in moderner Form teilweise wiederbelebt worden (hier im Isergebirge, Bild zum Download mit maximaler Auflösung).
War früher die Markierung top, aber die Infrastruktur eher flopp, hat sich das auch positiv geändert – zahlreiche Wege wurden erneuert, Brücken gebaut, Informationstafeln aufgestellt und Schutzhütten errichtet.

Als Bikepacker kann man hier schlauerweise die Cyklotrasa mit 3 oder 4 Ziffern nutzen, da gibt es von der verträumten Landstraße bis zum ausgewaschenen Forstweg alles unterm Reifen. Fürs echte Mountainbiken gibt es auch spezielle markierte Wege, die aber wenig mit Trails zu tun haben. Das ist auch eher was für Bikepacker oder Gravelbikes.
Meine Erfahrung ist: bis auf Reservate, Nationalparke und explizite Verbote wird das Mountainbiken überall zumindest geduldet. Wer also abseits der zahlreichen Bikeparks und gebauten Trails (Singltek Pod Smrkem! Must have seen!) unterwegs ist, wird von flowigen Trails bis hin zu gröbstem Geläuf, ausgewaschenen Rinnen, morastigen Stellen und teils übelst zerfahrenen Forstwegen alles erleben. Abenteuergeist ist gefragt – gepampert wird hier niemand!

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hier ballt es sich ein wenig (markierte Radwege in CZ)

Draußen Schlafen

Überall finden sich unterwegs Feuerstellen. Garantiert ist das nicht erlaubt, aber selbst auf Zeltplätzen finden sich welche. Ein Feuerchen gehört für den Tschechen einfach zum Draußensein dazu. Apropos Zelten: das mache ich ja meistens, eine Dusche abends und ein frisch Gezapftes hat ja auch was für sich. Es gibt zum Glück noch zahlreiche Zeltplätze im Sinne des Erfinders, die auch super preiswert sind. Auf Waschmaschine, Kochplatten, Wohnmobil-Servicestation und dergleichen muss man da allerdings verzichten. Das findet man dann, wo Autokemping oder gar Eurocamping draufsteht, als Hinweis (oder Warnung).

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Gehört zur tschechischen Lebensart wie das Bier

Wildcamping ist ja ein Teil des Bikepacking, und wird – unübersehbar anhand der Feuerstellen – an den unglaublichsten Orten praktiziert. Dennoch würde ich empfehlen, genügend Abstand zu bewohnten Gebieten und touristischen Hotspots zu halten, erst spät am Abend sich einzurichten und früh zeitig aufzubrechen.
Im Zweifel weiche ich auf die erwähnten kleinen, preiswerten Zeltplätze aus, das hat manchmal fast schon Wildcamp-Feeling, man muß ja nichts erzwingen. Jedoch auf einem hohen Berg mitten in historischem Gemäuer nächtigen und sich früh das Öko-Porridge bei grandioser Aussicht genüßlich einlöffeln –  das hat schon was!

Typen mit Tarnklamotten und Hund!?

Das sind die Tramper, auch eine tschechische Besonderheit. Während (engl.) Hitchhiker bei uns Tramper heißen, gebrauchen die Tschechen den Begriff Tramp korrekt und habe über Jahrzehnte eine ganz eigene Wander- und Outdoorkultur  −  das Tramping – entwickelt (Artikel dazu). Auch hier gilt leider, was Repressionen und Widerstände im sogenannten Sozialismus nicht geschafft haben, erledigen nun Tatze, Nordgesicht und Co. langsam aber sicher.

Es ist fast wie mit dem berühmten gallischen Dorf: eine kleine unbeugsame Minderheit pflegt unbeirrbar die Tradition des Umherstreifens in gebrauchten Armyklamotten, mit Hund und selbstgebranntem Schnaps im Rucksack. Jeder trägt ein Fahrtenbuch und eigenen Stempel bei sich, womit man sich in den Fahrtenbüchern der Kameraden verewigt. Es gibt eigene Lieder und ganze Treffen, die aber vermutlich nur durch Mundpropaganda bekannt gemacht werden.

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Tramping-Lager in einem versteckten Tal

Heute sieht man gelegentlich organisierte Western-Camps, auch ist die Kultur des Biwakierens unter Felsdächern (in Sachsen „Boofen“ genannt) noch nicht ausgestorben.

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Westernstyle-Camp mitten im Nationalpark

Wenn Du also so einen vielleicht auf den ersten Blick martialisch aussehenden Tramper mit nicht gerade kleinem Hund begegnest – keine Angst! Das sind meiner Erfahrung nach die nettesten Menschen Tschechiens!

Allgemeiner Kontakt zu Tschechen

Verständigung: Schon mit ein paar Brocken Tschechisch gewinnt man die Herzen unserer Nachbarn im Fluge! Jüngere Menschen sprechen meist gut Englisch (obwohl alle einige Zeit Deutsch in der Schule lernen, da könnten sich die angrenzenden deutschen Bundesländer mal ein Vorbild nehmen!).
Deutsch wird, abgesehen von den für Touristen antrainierten Floskeln, meist nur noch von sehr betagten Menschen für weiterführende Kommunikation verwendet. Wenn jüngere Menschen Deutsch sprechen, dann waren sie berufsbedingt längere Zeit in Deutschland, für viele leider eine harte wirtschaftliche Notwendigkeit.

Mit der Vergangenheit gehen vor allem die jüngeren Tschechen nach meiner Erfahrung sehr entspannt um. Ganz im Gegenteil, Informationen über die ehemaligen Deutschböhmen sind hier und da zu finden und manches Zeitzeugnis wird wieder aufgebaut. Nebem dem Nová Hřebenovka (Neuen Kammweg)  wurde etwa mit überaus großer Sorgfalt Köglers Naturpfad wieder erschaffen, die Neuauflage des ersten tschechischen Naturlehrpfades.

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Kriegerdenkmal in Děčín. Würden wir in D auch tschechische Denkmale so liebevoll sanieren?

Leider werden in der Presse nur die negativen Seiten des Landes genüßlich ausgewalzt. Autodiebstahl, Drogen, Prostitiution – da bekommen manchen wirklich Angst, das Land zu bereisen. Das sieht man auch an den Fragen in diversen Foren, als sei das zivilisierte Europa da irgendwie nicht mehr existent.
Mal abgesehen davon, dass Tschechien mit der am 7. April 1348 gegründeteten Prager Universität die älteste Universität nördlich der Alpen und östlich von Paris besitzt (die sich zudem unter die weltweiten Spitzenuniversitäten einreiht), war Tschechien bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ein hoch industrialisierter Bestandteil Mitteleuropas o_O

Wie sieht das in der Praxis nun aus?
Hier kommt es meiner Erfahrung nach entscheidend darauf an, wie man da auftritt.
Wer da einen auf dicke Hose macht, denkt dass man mit einem Teller Knödel gleich die Kneipe mit Leuten gekauft hat und verlangt, dass sein breites Sächsisch oder uriges Bayerisch sofort verstanden wird, dem werden sich die Einheimischen wohl nicht ganz so öffnen.
Wer allerdings schonmal den Tagesgruß in Landessprache entbietet, vielleicht noch Bitte und Danke sagen kann (die Vokabeln sind ja nun wahrlich leicht online zu finden!!) und  sich auch sonst für Land und Leute interessiert, insgesamt bescheiden auftritt – der wird unter Garantie „mein“ Tschechien kennenlernen, das weitaus mehr bietet als nur Berge -Burgen-Bier!

Ahoj – Euer quittenbrot

letzte Änderung 31.08.2016

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