Ziele im nördlichen Tschechien

Immer wieder erstaunt mich, wie unbekannt die Ausflugsgebiete im nördlichen Tschechien bei meinen Landsleuten sind, obwohl das gerade mal eine gute Zugstunde entfernt ist. Wer so wie ich auf Entdeckertour gehen will, findet hier eine Auswahl an bekannten und weniger bekannten Zielen im Bereich České Švýcarsko · Böhmische Schweiz,  Šluknovská Pahorkatina · Schluckenauer Hügelland (auch Šluknovský výběžek · „Schluckenauer Zipfel“) und teils Lužické hory · Lausitzer Berge (ja, das Lausitzer Gebirge reicht bis weit nach Tschechien hinein und man findet da auch noch viele Umgebindehäuser!)

Übersichtskarte nördlichstes Tschechine / Schluckenauer Zipfel

Übersichtskarte nördlichstes Tschechien / Schluckenauer Zipfel

Übersichtskarte in voller Größe

Fertige Touren empfehle ich hier nicht, zu unterschiedlich sind die Ansprüche (Wandern, Trekkingrad, MTB, …). Ausnahmen bilden einzelne spezielle Wege und Täler, welche wiederum Ziele für sich darstellen. Auch Links habe ich hier eher sparsam gesetzt, die am Ende des Beitrages und bereits da genannten Orientierungsmöglichkeiten sollten zusammen mit der Suchmaschine Deines Vertrauens ausreichen!

Ziele, Orte und Wege

  • Děčínský Sněžník · Hoher Schneeberg: mit 723 m der höchste Berg des Elbsandsteingebirges, mit Turm, Imbiß und Gaststätte. Neben dem rot markierten Wanderweg ist auch der weniger bekannte Bürgermeister-Luft-Weg empfehlenswert (grüne Markierung).  Bei guter Sicht blickt man bis nach Dresden!

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    Der Hohe Schneeberg macht seinem Namen alle Ehre

  • Vor allem linkselbisch zwischen Děčín · Tetschen und der Hirschmühle verbergen sich im Elbhang diverse versteckte historische Serpentinenwege. Wer sucht, findet diese vor allem bei Openstreetmap. Zahlreiche teils weglos zu erreichende Aussichtspunkte warten auf den Naturfreund, der ein wenig Recherche nicht scheut. Aus diesem Grund verzichte ich hier bewußt auf nähere Ortsangaben!
  • Der/die Pastýřská stěna · Schäferwand in Děčín · Tetschen bietet nicht nur eine gute Aussicht, sondern auch mit der Teufelsschlucht von 1906 (unmarkiert, unschwerer Aufstieg von Süden) und dem Felsensteig Rotberg von 1899 zwei attraktive Wege.
  • Der Růžový hřeben · Rosenkamm zwischen Děčín · Tetschen und dem Suchá Kamenice · Dürrkamnitzgrund mit zahlreichen Aussichten, insbesondere dem Belveder (Vyhlídka Belveder) sollte in keinem Tourenbuch fehlen.
  • Das Pravčická brána · Prebischtor, der Gabrielensteig und zur Abrundung die Bootsfahrten in Edmundova soutěska und Divoká soutěska · Wilder- und Edmundsklamm sind natürlich kein Geheimtipp, aber immer wieder lohnend. Nicht verschweigen will ich an dieser Stelle, dass jedesmal Eintritt fällig wird und die Bootsfahrt auch noch extra kostet; alleine ist man wahrlich auch nicht. Dennoch unbestrtitten der Höhepunkt der Böhmischen Schweiz, wenn man sich den ganzen Trubel wegdenkt.

    Das Prebischtor, von einer der nahegelegenen Aussichten aufgenommen

    Das Prebischtor, von einer der nahegelegenen Aussichten aufgenommen

  • Folgt man dem roten Wanderweg vom Prebischtour kommend immer weiter, gelangt man zur alten Sandsteinburg Pozůstatky hradu Šaunštejn · Schauenstein oder Hohenleipaer Raubschloß. Achtung – Aufstieg auf Leitern in schmalem Kamin!
  • Schließlich erreicht man, dem roten Wanderweg folgend oder von Jetřichovice | Dittersbach aus, die Jetřichovické stěny ·  Dittersbacher Felsen. Vor allem Rudolfův kámen · Rudolfstein (anspruchsvoller Aufstieg!) und Mariina skála · Marienhütte sind beliebte Ziele.

    Marienhütte

    Marienhütte

  • Noch ein Falkenštejn · Falkenstein – und die Spuren eines Waldbrandes, wo die Natur sich verblüffend schnell wieder beholfen hat!
  • Na Tokáni · Balzhütte mit dem Charme der K.u.K. Monarchie ist aus fast allen Richtungen auf ausgewiesenen Rad- und Wanderwegen erreichbar und die in der Gegend am tiefsten im Wald gelegene Ausflugsgaststätte.
  • Das Kyjovské údolí · Khaatal an sich ist schon ein Ziel, ebenso die zahlreichen Abstecher zur Kyjovský hrad · Burg Oberkarlstein (die Stiege mit dem meisten Stufen auf und ab, laut Stiegenkenner Mothes!), zum Vinný sklep · Weinkeller, Turistický most · Touristenbrücke als zentrale Wegkreuzung bis hin zum Grenzübergang Zadní Doubice / Hinterhermsdorf.

    Steig der verwinkelten Burg Oberkarlstein

    Steig der verwinkelten Burg Oberkarlstein

  • Unweit davon finden wir das Velký pruský tábor · Preußenlager, eine markante Felsüberdachung, und die Brtnický hrádek · Zeidler Burg, wo der nicht ganz leichte Weg hin allerdings schöner ist als die Burg selber.

    Zugang zum Preußenlager

    Zugang zum Preußenlager

  • Mit den Cyklotrasa · Radrouten 3032 und 3033 wird die Ecke, in der wir gerade sind, auch für Radfahrer gut erschlossen. Die Cyklotrasa 3031 kann ich nur bis zur Grenzbrücke im Verlaufe des Kyjovské údolí · Khaatal empfehlen,  im Verlaufe ab dem Verlassen des blauen Wanderweges bis U Doubice ist das nur was für trainierte Radler und bei Trockenheit. Hinweis: Radfahren in den Nationalparken beiderseits der Grenze ist nur auf ausgewiesenen Routen erlaubt!
  • Etwas weiter nordöstlich erhebt sich der markante Vlčí hora · Wolfsberg mit Turm und einem sehenswerten Basaltsäulenaufschluß.

    Wolfsberg im Frühjahr

    Wolfsberg im Frühjahr

  • Noch weiter drin – abseits des Touristenrummels –  im Schluckenauer Zipfel finden wir den Hrazený · Pirsken. Leider ist nur eine teilweise Aussicht am östlichen Aufstieg möglich. Weitere Ausblicke finden sich jedoch immer wieder im Verlauf des grün markierten Wanderweges, welcher südlich den Hrazený · Pirsken berührt.
  • Šluknov · Schluckenau sollte auch mal eingeplant werden. Im Laufe der Cyklotrasa 211  gelegen, bieten sich zahlreiche Tourenmöglichkeiten.

    Schluckenau im Abendlicht

    Schluckenau im Abendlicht

  • Der Dymník · Rauchberg bei Rumburk ist vom Bahnhof aus leicht zu erreichen und bietet neben einem Turm und passender Gastronomie auf halber Höhe auch Anschlüsse an weiterführende Rad- und Wanderwege.
  • Ganz in der Nähe verläuft die schon erwähnte Cyklotrasa 211, welche hier offensichtlich auf einer historischen Wegverbindung zwischen alten Allebäumen malerisch durch die Landschaft geführt wird.

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    Cyklotrasa 211

  • So erreichen wir das Zentrum der Böhmischen Schweiz, Krásná Lípa · Schönlinde mit sehenswertem Marktplatz, Informationszentrum und der PIVOVAR FALKENŠTEJN · Kirnitzsch-Brauhaus (wörtlich: Brauerei Falkenstein). Während das Informationszentrum umfassende Informationen, Wanderkarten, Mitbringsel usw. bietet, kann im Kirnitzsch-Brauhaus die Kehle mit allerfeinstem Craft-Bier gefeuchtet werden. Wer noch Kilometer machen will oder muss, kann das wertvolle Naß auch in Plasteflaschen mitnehmen. Must have seen!!

    Einfach nur lecker ...

    Einfach nur lecker …

  • Die heutige Version des ältesten tschechischen Naturlehrpfades beginnt auch in Schönlinde: Köglerova naučná stezka · Köglers Naturpfad. Begründet 1941, Wiedereröffent 2006 auf fast gleicher Streckenführung finden sich bekannte und auch versteckte Sehenswürdigkeiten und Informationen. Der Verlauf ist  in allen aktuellen Kartenwerken enthalten, aber eine Auflistung aller Wegestationen finden wir nur in einer Broschüre mit Beikarte, welche ich im Informationszentrum in Schönlinde erhalten habe.
    Köglers Naturpfad

    Köglers Naturpfad

    (Foto in voller Auflösung)

  • Ein kühles Naß der ursprünglichen Art finden wir in den Tři prameny Křinice · (3) Kirnitzschquellen. Hier verirren sich wirklich nicht viel Touristen hin … die Zeit scheint stehengeblieben zu sein.

    gefasste Kirnitzschquelle

    gefasste Kirnitzschquelle

  • Ebenfalls für Heimatfreunde der Kleinode, der Cyklotrasa 3013 folgend, erreichen wir das Naturschutzgebiet Světlík · Lichtenteich mit der historischen, authentisch restaurierten Mühle Větrný mlýn Světlík · Windmühle Lichtenteich.

    historische Mühle

    historische Windmühle

     

  • Der Jedlová · Tannenberg, einer der prägenden Berge des Lausitzer Berglandes bietet vom Turm aus umfassende Rundumsicht, Hunger und Durst könne in der Bergbaude auch gediegen beseitigt werden. Den Trubel mit Kletterwald, Mountainrollern usw. muß man sich leider ein wenig wegdenken … stille Winkel gibt es zum Glück rundherum wahrlich noch genug und die Leute wollen auch von was leben 😉
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    Jedlová · Tannenberg

     

  • Nicht weit davon finden wir die Burgruine Tolštejn · Tollenstein, welche nach Lösen eines Tickets besucht werden kann. Eine einfache, passende Wirtschaft rundet den Besuch ab.
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    Tollenstein mit alter Schöber-Paßstraße

     

  • Wir schauen hinüber in Richtung Zittauer Gebirge und dort wird die Luž · Lausche gerne besucht, die Grenze ging früher mitten durch die Gaststube! Auf den Grundmauern wandelnd ist die Aussicht aber so schön wie damals.
  • Wer es ruhiger mag, wandert zur Pěnkavčí vrch · Finkenkuppe. Aussicht gibt es aber nur am südlichen Aufstieg am Aussichtspunkt Pětikostelní kámen · Fünfkirchenstein, wo man (früher) angeblich 5 Kirchen sehen konnte.

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    Aussicht am Pětikostelní kámen · Fünfkirchenstein

  • Für Liebhaber stiller, weitläufiger Wege bietet sich eine Art Höhenweg (Markierung roter Strich) durch eine früher einmal Kreibitzer Gebirge genannte Gegend: von Jedlová (žst) · Tannenberg (Bhf) bis zum markanten Studenec · Kaltenberg mit Aussichtsturm wandert man Stunden durch tiefe Wälder, fern jedweden Massentourismus.
  • Weiter kann man dem Weg durch den malerischen Pavlinino údolí · Paulinengrund folgen und erreicht letzlich wieder die Jetřichovické stěny · Dittersbacher Felsen. Achtung – der Paulinengrund ist ausdrücklich für den Radverkehr gesperrt!
  • Am Rande des Nationalparks finden wir mit dem Spravedlnost · Irichtberg eine weniger bekannte Erhebung, welche auf einem felsigen Gipfelaufbau einen bemerkenswerten Blick vor allem auf den Studenec · Kaltenberg bietet.

    Auf dem Spravedlnost

    Auf dem Spravedlnost

  • Zuvor oder danach ist ein Besuch einer ganz speziellen Schänke fast schon Pflichtprogramm: das  Restaurace Stará hospoda in Doubice · Daubitz stärkt nicht nur den Körper, sondern beflügelt auch den Geist mit sonderbaren Skulpturen, einer Art Kunstpark, historischen Reklameschildern in der Gaststube und dergleichen Kuriositäten mehr.

    Kunstkneipe

    Kunstkneipe

  • Wiederum abseits des Trubels  bietet auch die Karlova výšina  · Karlshöhe eine herausragende Aussicht, sofern man nicht im Winter bei dickstem Nebel hinstapft und sich dann am Rauhreif erfreuen muß O_o

    Karlova výšina · Karlshöhe

    Karlova výšina · Karlshöhe

  • Als südlicher Abschluß muß noch Česká Kamenice · Böhmisch Kamnitz erwähnt werden, sowohl das Städtchen selber als auch die zahlreichen Berge, Felsen und Wanderwege sind einen Ausflug wert.

Noch nicht genug? Hier gibts noch mehr, mit vielen Hintergrundinformationen.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

  • Die Nationalparkbahn (Linie 083 bzw. U28) pendelt zwischen Děčín · Tetschen und Rumburk · Rumburg, fährt dabei über Bad Schandau und die berühmte Tunnelstrecke nach Sebnitz. In Mikulášovice · Nixdorf besteht Anschluß an den unteren Zweig (Linie 084) direkt nach Krásná Lípa · Schönlinde insbesondere mit Haltepunkten nahe am Nationalpark (vor allem Brtníky · Zeidler).

    modernes rollendes Material auf alten Schienen

    modernes rollendes Material auf alten Schienen

  • Die Bahnlinie 081 Děčín – Benešov nad Ploučnicí – Rumburk erschließt die südlich gelegenen Ziele. Ab Česká Kamenice · Böhmisch Kamnitz bis Jedlová (žst) · Tannenberg (Bhf) ist man endgültig im Märchenland angekommen und Jedlová ist sowieso der Wanderbahnhof schlechthin: Mitten in der Pampa treffen sich aller 2 Stunden Züge aus drei Richtungen und Horden Wanderer springen aus dem Zug, um sich gleich mal in der Bahnhofskneipe ein 10° Helles einzutüten O_o
    Mittem im Wald: Jedlová (Bahnhof)

    Mittem im Wald: Jedlová (Bahnhof)

    Hinweis: Jährlich wird ein Heft mit Übersichtskarten, Wandertipps und Fahrplanauszügen herausgegeben: Touristische Fahrpläne 2016 Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz sollte als Suchbegriff reichen, das Jahr bitte jeweils anpassen.

Orientierung

  • Shocart active Nr. 101: Českosaské Švýcarsko 1 : 60 000. Ausgabe 2015. Die Radkarte schlechthin, deckt ganz CZ ab. Verzeichnet neben offiziellen Radrouten auch Empfehlungen mit Angabe der Schwierigkeit. Hier online. Tipp: Auf Hlavička ON/OFF klicken, damit der „Balken“ oben verschwindet!
  • Cykloturistiská mapa 1 : 50 000 Českosaské Švýcarsko. 1. Aufl. 2011. Karte des Klub českých turistů. Doppelseitig bedruckt, dadurch enorme Abdeckung.
  • Rolf Böhm: Khaatal 1 : 10 000. 1. Aufl. 2013. Das neueste, akribisch vor Ort recherchierte Kartenwerk aus dem Hause Böhm. Ein Leckerbissen für den kartenaffinen Wanderfreund!
  • Rolf Böhm: Böhmische Schweiz 1 : 40 000. 3. Aufl. 2011. Zweisprachige Übersichtskarte.
  • Wanderführer Köglers Naturpfad durch die Umgebung von Schönlinde mit Wanderkarte. 1. Auflage, Schönlinde 2006

    Wanderführer und das legendäre „Fischmesser“

    Wanderführer und das legendäre „Fischmesser“

Schlußwort

Erfahrene Heimatfreunde könnten die Liste sicher noch eine Weile fortsetzen, aber das ist nur eine Auswahl an Zielen, die ich zudem auch alle selber teils schon mehrfach besucht habe. Die besten Ideen kommen einem sowieso bei einer Tour, wo die zahlreichen Aussichten Lust auf weitere Berge machen, Wanderschilder schon das Ziel zur nächsten Rad- oder Wandertour weisen oder nette Zeitgenossen mit Tipps nicht geizen.

Jedenfalls sollte nun die Antwort auf die Frage „Wohin am Wochenende“ nicht mehr so schwer zu beantworten sein 😉

Ahoj! Euer Quittenbrot

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